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Der Pfarrer von Ars – ein Seelsorger für unsere Zeit

Jean-Marie Vianney wurde 1786 geboren, drei Jahre vor der Französischen Revolution.

Seine Kindheit fiel in eine Epoche, in der Priester verfolgt, Kirchen geschlossen und der Glaube im Untergrund weitergegeben wurde – seine Erstkommunion empfing er heimlich in einer Scheune. Diese Erfahrung prägte ihn nachhaltig: Er wusste, was es heisst, wenn Institutionen zerbrechen und der Einzelne Halt sucht.

Als er 1815, nach Napoleons endgültigem Fall, zum Priester geweiht wurde, war Frankreich ein Land im Umbau – politisch wie geistlich. Drei Jahre später kam er ins gottverlassene Dorf Ars. Statt auf Autorität zu setzen, wählte er einen Weg, der für seine Zeit bemerkenswert war: radikale Zugänglichkeit. Er sass täglich bis zu sechzehn Stunden im Beichtstuhl – für Bauern, Tagelöhner, Frauen, Kinder, für jeden, der kam, ungeachtet von Stand oder Bildung. In einer Gesellschaft, die noch stark hierarchisch dachte, war das ein stilles, aber wirksames Statement von Gleichwertigkeit.

Bild: Basilika St. Sixtus, Ars-sur-Formans, Département Ain, Region Auvergne-Rhône-Alpes; Wikimedia commons

Bemerkenswert modern war auch sein soziales Engagement: Er gründete ein Waisenhaus und eine Schule für Mädchen – zu einer Zeit, als Bildung für Mädchen aus armen Verhältnissen keine Selbstverständlichkeit war. Er finanzierte dies, indem er selbst auf nahezu alles verzichtete, was über das Nötigste hinausging, und das Geld weitergab, das ihm Pilger und Wohltäter zukommen liessen.

Seine Seelsorge war zudem auffallend undogmatisch im Ton: Er sprach weniger von Strafe als vom barmherzigen Zuhören. Tausende Pilger kamen zu Lebzeiten zu ihm – nicht weil er drohte, sondern weil er da war. In einer nachrevolutionären Gesellschaft, die zwischen Restauration und Aufbruch schwankte, bot er etwas, das beide Lager kaum erwartet hätten: einen Seelsorger, der nicht an Strukturen, sondern an Menschen interessiert war.

Vianney starb 1859, mitten in einem Jahrhundert technischer und gesellschaftlicher Umwälzungen. Seine bleibende Botschaft: Nähe und Zuwendung sind zeitloser als jede Epoche.

Im Gottesdienst am Dienstag, 4. August, 10 Uhr, im Alterszentrum Obere Mühle, Lenzburg, wird ihm gedenkt. Sie sind alle herzlich eingeladen.