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Unsere Liebe Frau auf dem Berge Karmel

«Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so werde ich euch trösten.» (Jesaja 66,13)

Am 16. Juli feiert die Kirche «Unsere Liebe Frau vom Berge Karmel». Doch wer ist die Jungfrau vom Karmel?

Biblischer und spiritueller Ursprung des Karmel

Auch wenn der Titel «Unsere Liebe Frau vom Berge Karmel» nicht wörtlich in der Heiligen Schrift vorkommt, hat er seine Wurzeln in einer zutiefst biblischen Geographie und Spiritualität.

Der Berg Karmel – das hebräische Wort Karmel bedeutet «Weinberg Gottes» – war schon seit der Antike ein heiliger Ort. Der Prophet Elija lebte dort und verkündete von diesem Berg aus die Souveränität Gottes gegenüber den Propheten Baals (vgl. 1 Könige 18).

So wurde der Karmel zum Symbol der Treue, des Gebets und des geistlichen Kampfes.

Die Spiritualität des Karmel, die auf die Suche nach dem Angesicht Gottes im Schweigen und in der Betrachtung ausgerichtet ist, findet in Maria ihr vollkommenes Vorbild.

Bild: Berg Karmel, Wikimedia Commons

Maria ist die betende Frau, die alles in ihrem Herzen bewahrt und darüber nachsinnt (vgl. Lk 2,19). Sie ist die kleine Wolke, die Elija aus dem Meer aufsteigen sah – als Zeichen für den Regen der Segnungen nach der Dürre (vgl. 1 Könige 18,44): ein prophetisches Bild der Jungfrau, Trägerin des Erlösers.

Die Entstehung der Verehrung

Die Verehrung der Jungfrau vom Karmel begann mit den ersten Einsiedlern auf dem Berg Karmel im 12. Jahrhundert.

Diese Männer, die das Leben des Elija nachahmen und in der Einsamkeit leben wollten, errichteten eine Kapelle zu Ehren der Jungfrau Maria, die sie bald «Herrin dieses Ortes» nannten.

Der Karmeliterorden – Mystik und Reform

Als die Kreuzzüge endeten und das Heilige Land in muslimische Hände fiel, wanderten die Karmeliten nach Europa aus. Dort wurde der Karmelitenorden offiziell von der Kirche anerkannt – und mit ihm wuchs die Verehrung seiner Patronin.

Der Orden kennt zwei Zweige: die beschuhten Karmeliten (O.Carm.), die die ursprüngliche, gemässigtere Lebensweise pflegen, und die unbeschuhten Karmeliten (OCD), die aus der strengen Reform des 16. Jahrhunderts hervorgingen.

Bild: Stella Maris, Haifa, Wikimedia Commons

Diese Reform verdankt sich zwei überragenden Gestalten. Teresa von Ávila (1515–1582) erneuerte das kontemplative Leben der Schwestern in Spanien und gründete zahlreiche reformorientierte Klöster.

Als Mystikerin und Kirchenlehrerin hinterliess sie mit «Die innere Burg» eines der bedeutendsten Werke christlicher Spiritualität.

Ihr enger Weggefährte Johannes vom Kreuz (1542–1591), ebenfalls Kirchenlehrer, beschritt in Gedicht und Prosa die dunkle Nacht der Seele als Weg zur Gotteseinigung.

Beide wurden heiliggesprochen und prägen bis heute die Spiritualität des Ordens und weit darüber hinaus die Menschen.